Gestern haben wir wieder nach einer seltenen Spezies gesucht. Nein, diesmal keine Hirschkäfer, Einhornkäfer oder sonstiges. Sondern Baumarktmitarbeiter.

Wobei ich sagen muss – wir haben sogar einige gleich auf Anhieb gefunden, nur liefen die alle gleich weg. Die, denen wir den Weg versperrt haben, waren angeblich nicht zuständig. Doch einer war zu langsam und konnte nicht schnell genug von dieser Insel mit einem Pult drum herum flüchten. Der war zwar auch nicht zuständig, griff aber dann – mangels Fluchtmöglichkeit – zum Festnetztelefon und lockte einen Kollegen an.

Wir versteckten uns auf zwei Hochregalenden, damit er nicht gleich sah, wo die Gefahr lauert, wenn der Gerufene dann irgendwo her kommt. Der Dauer nach kam er direkt aus irgendeiner Schulung bei irgend einer Zentrale, denn es dauerte ziemlich lange, bis er verschwitzt und mit gehetztem Blick die Pultinsel ansteuerte.

Zu seiner Verteidigung muss ich sagen, dass es in dem Baumarkt gefühlte 56 Grad hatte. Aber 30 waren es bestimmt. Es ist ja ganz nett wenn die Dächer aus Plexiglas sind, um mehr Licht reinzulassen, aber wer setzt sich schon freiwillig in ein Gewächshaus?

Jedenfalls konnte er nun nicht mehr abbiegen, er war ja umzingelt. Fast hätte ihn uns ein anderer Kunde weggeschnappt. Aber nicht mit uns, wir waren schneller und er wurde ja schließlich extra für uns von seinem Seminar in irgend einer Zentrale hergerufen.

Es ging nämlich um den Einkauf von Brennstoffen, da wir uns entschlossen haben, unsere Heizung heuer zu erneuern. Diese ist nämlich über 20 Jahre alt und wir hätten es gerne etwas komfortabler. Und da man diese Menge an Brennstoffen nicht mal schnell in einen Einkaufswagen packen kann, sondern in der zuständigen Abteilung bestellen muss, waren wir auf die Gunst der seltenen Spezies des Baumarktmitarbeiters angewiesen.

Dieser hat unsere Bestellung dann wirklich fast reibungslos im PC erfasst – und uns zum vorderen Serviceschalter geschickt, um eine Lieferung zu uns nach Hause zu vereinbaren. Und wir dachten, wir hätten es geschafft. Haha, weit gefehlt. Ich überlegte kurz, in eine der ausgestellten Duschkabinen zu gehen, um mich zu erfrischen, aber wusstet ihr, dass die gar kein Wasser angeschlossen haben? Na egal.

Am Serviceschalter standen schon zwei Personen vor mir. Sie sahen auch so aus, als hätten sie die Sache mit der Dusche schon nötig. Eine Mitarbeiterin telefonierte, die andere drückte beim Schreibtisch sitzend auf ihrem privaten Handy herum. Nach dem Telefonat versuchte die eine, etwas auf einem Touch-Display zu erfassen, was wohl nicht so gut gelang. Die mit dem Handy musste also extra aufstehen, um ihr zu helfen. Und das an einem Montag!

Die Dame neben mir sagte, sie wartet auf einen anderen, der wohl für Schlüssel zuständig war. Juhu, ich war also die nächste. Der Mann neben mir unterschrieb etwas und ich war dran! Ich reichte ihr also den Bestellschein vom Kollegen davor wie eine Urkunde und sagte, ich wäre hier um eine Lieferung zu vereinbaren. Sie telefonierte kurz. Der Kollege war wohl noch im Auftrag auf seinem PC. Aha. Kann ja mal passieren. Sie meinte, die Ware sei ja noch nicht da, und sie werden sich telefonisch melden, um einen Liefertermin zu vereinbaren. Das dachte ich mir zwar davor schon, aber bitte. Dann gab sie mir den Zettel wieder und sagte, ich muss damit jetzt zur Kassa.

Mein Mann hatte mit der Tochter einstweilen die ganze Gartenabteilung durch und da waren wir nun: montags, 17 Uhr, an einer Baumarkt-Kassa. Wie ihr euch denken könnt, waren wir nicht allein. Er ging also schon mal voraus und ich blieb dort alleine mit dem Einkaufswagen zurück. Als ich dran war, sagte mir die sehr nette Kassiererin, ich solle bitte die Herren hinter mir vor lassen, mein Auftrag  ginge gerade nicht. Ich ließ also zwei Herren vor, dann griff auch sie zum Hörer – die Kollegin beim Service war wohl noch im Auftrag auf ihrem PC. Scheint dort also öfter vorzukommen. Dann durfte ich tatsächlich zahlen. Ich wollte – völlig durchgeschwitzt  – nur mehr raus, doch sie meinte, ich bekomme noch meine Bonuspunkte. Ach ja, das auch noch. Sie zählte mir über 100 Punkte ab. Auf einem Blatt sind 40 drauf, das wisse sie mittlerweile. Ich weiß es jetzt auch.

Zuhause fühlten wir uns befreit. Eigentlich fühlten wir uns im Auto schon befreit. So mit Klimaanlage und kühlem Getränk und nicht mehr im Baumarkt, ein herrliches Gefühl. Wir haben übrigens frischen Sand für die Sandkiste gekauft und sofort neu befüllt, was zu großer Freude bei unserer Tochter führte. Diesen Sand hatte sie sich mehr als verdient.

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Als er heute von der Arbeit heim kam, sagte mein Mann, er habe gestern etwas Wichtiges zu kaufen vergessen. Ob wir denn heute nochmal zum Baumarkt fahren könnten. Ratet mal was ich geantwortet habe.

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2 Gedanken zu “Montags im Baumarkt

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